Studi-Kolumne: Wohin soll es mit mir gehen?


 
Kolumne vom 10.03.2022
Text: Cristina Arioli, Werkstudentin, ZHAW: Technische Dokumentation 
Bild: pexels.com


Als ich mein Studium begonnen habe, kannte ich die Berufsbezeichnung Technischer Redakteur beziehungsweise Technische Redakteurin überhaupt nicht. Ich hatte weder davon gehört noch konnte ich mir vorstellen was man dabei tut. Nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung, sah ich die spannende Verbindung zwischen Technik und Sprachen. Das war der Grund für die Wahl meines Studiums. Trotzdem war mir nicht klar, was das Studium für mich bereithielt. Eine komplett neue Welt mit vielen ungeklärten Fragen erwartete mich. 

 

Während des Studiums wurde ein Grossteil der anfänglichen Fragen geklärt. Durch verschiedene Fächer wurde das Berufsbild besser vermittelt und spezifisches Wissen konnte erlangt werden. Doch oftmals fehlte die Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Besonders aber blieb mir bis vor kurzem stets unklar, welche Branche für mich geeignet ist. Ich wusste nicht einmal genau, in welchen Bereichen Redakteure*innen gesucht waren. Somit habe ich angefangen zu recherchieren, wo Technische Kommunikation besonders häufig benötigt wird. Ihr könnt euch jetzt bestimmt vorstellen, was ich herausgefunden habe… es sind unzählig viele Möglichkeiten vorhanden. Wie aber sollte ich mich für ein Gebiet entscheiden und muss ich das überhaupt? 

 

Glücklicherweise habe ich mich dazu entschieden, ein Praktikum zu absolvieren, wobei man einen Einblick ins Leben von Elektriker*innen, Mechaniker*innen und Automatiker*innen gewinnen konnte. Ich stellte fest, dass Bedienungsanleitungen oder vielmehr Montageanleitungen oder Datenblätter gebraucht werden. Ebenso gewann ich einen Überblick darüber, welche Aspekte für diese Zielgruppen von Wichtigkeit waren und welche nicht. Besonders interessant war es für mich zu sehen, dass das Kapitel «Wartung» einen hohen Stellenwert bei Elektriker*innen hat. Davon habe ich im Studium zwar gehört, aber wirklich was damit anfangen konnte ich nicht. Weiter lernte ich das Logikmodul LOGO! kennen. In meinem Praktikum habe ich den Begriff bereits zig Mal gesehen, konnte mir aber nie wirklich ein Bild darüber machen, wie die LOGO! funktioniert. Ich konnte also durch die Praxis eines anderen Berufes anregende Dinge mitnehmen, die mir beim Schreiben künftiger Dokumentationen sehr helfen werden. Auch konnte ich durch das Praktikum erkennen, wie wertvoll die Zielgruppe der Dokumentation ist. Es ist nicht nur von grosser Bedeutung zu wissen, wer die Zielgruppe ist, sondern auch ihre Arbeitsweise oder welche Arbeitsgeräte sie Tag für Tag benutzen. 

 

Die Wahl der Branche, in der ein*e Technischer Redakteur*in arbeitet ist eine aufregende Entscheidung. Für Quereinsteiger, die bereits aus einem bestimmten Bereich kommen, ist es eher klar welche Anleitungen geschrieben werden. Kommt man jedoch vom Studium, kann diese Entscheidung um einiges schwieriger erscheinen. Man steht vor einem Pool gefüllt mit unzähligen Möglichkeiten und Richtungen, welche man einschlagen kann. Mir half das Wissen, dass man im Beruf stets Unterstützung von Personen mit spezifischem Fachwissen erhalten kann. Deshalb ist die Aufgabe von Technischen Redakteur*innen nicht nur eine Brücke zwischen Ingenieur*in und Nutzer*in zu schaffen, sondern auch eine gute Beziehung zu Fachpersonen aufzubauen. Man ist im stetigen Austausch mit verschiedenen Personen und Zielgruppen, um eine bestmögliche Anleitung zu schreiben oder verbessern.  

 

Wenn ihr also Berufseinsteiger*innen seid, macht euch nicht zu viele Gedanken. Bei der Wahl der Branche könnt ihr ohne schlechtes Gewissen auf euer Bauchgefühl hören und etwas wählen, das persönliches Interesse hervorruft. Das Wissen wird dann durch Neugierde, Erfahrung und Austausch mit Kollegen aufgebaut. Es ist nicht ungewöhnlich in diesem Beruf die Branche zu wechseln. Das passiert sehr oft, wenn man das Unternehmen wechseln möchte. Zwar müssen neue Kenntnisse in einem Bereich erworben werden, die Fähigkeit im Fachbereich habt ihr trotzdem schon. Fragt auch mal nach, ob ihr ein paar Stunden in die Arbeit der Ingenieure*innen reinschauen dürft, wenn das Unternehmen dieses Angebot nicht bereits von selbst ausspricht. Zum Schluss möchte ich euch noch mit auf den Weg geben, dass die Grösse des Unternehmens eine Rolle spielen kann. Dieses Kriterium wirkt sich stark auf die Abläufe aus. Auch die Nutzung verschiedener Tools variiert stärker. Macht euch also bereits am Anfang Gedanken darüber, ob ihr lieber in einer grossen oder kleinen Firma arbeiten möchtet.  

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