Studi-Kolumne: Bitte einmal Mitdenken


 

Kolumne vom 21.10.2021
Text: Cristina Arioli, Werkstudentin, ZHAW: Technische Dokumentation 
Bild: Karolina Grabowska, Pexels.com

Eine Bedienungsanleitung muss in der heutigen Zeit stets in mehreren Sprachen vorhanden sein. Dies nicht nur aus interkulturellen, sondern auch aus rechtlichen Gründen. Aber um ein sprachliches und inhaltliches Meisterwerk zu schaffen, muss der Übersetzer einen genauso guten Ausgangstext erhalten. Denn wie es in der Übersetzerkultur heisst: «Garbage In, Garbage Out!». Und genau hier kommen Technische Redakteure und Redakteurinnen ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, der Person, die ihren Text später übersetzt, einen einwandfreien Ausgangstext vorzulegen. Ausserdem muss die schreibende Person übersetzungsgerecht dokumentieren. Es darf also bereits von Anfang an mitgedacht werden, was mit der Anleitung später passiert. Denn nicht nur die Übersetzer*innen sind auf eine gute Arbeit angewiesen. In diesen Tagen muss zudem beachtet werden, dass maschinelle Übersetzungen eine grosse Hilfe sein können.

Um einen übersetzungsgerechten Ausgangstext schreiben zu können, müssen verschiedenste Punkte beachtet werden. Hier ist es nicht nur wichtig, dass der/die Verfasser*in die gängigen Regeln des Schreibens einer Bedienungsanleitung beachtet. Viel mehr ist es von Bedeutung, eine einfache Sprache zu verwenden und bestimmte künftige Übersetzungsprobleme vorzubeugen.

Dabei fängt es bereits mit der Verwendung der richtigen Terminologie an. Besonders bei Fachbegriffen sollte man auf drei- oder sogar viergliedrige Komposita verzichten. Denn was zum Kuckuck ist eine Nickelrückschlagarmatur? Doch nicht nur mehrgliedrige Komposita sind für den/die Übersetzer*in besonders schwierig. Bereits ein simples Wort kann eine Gratwanderung darstellen. Das englische Wort sleeve wird im alltäglichen Gebrauch als Ärmel übersetzt. Im Zusammenhang mit der Technik oder der Musik werden jedoch völlig andere deutsche Äquivalente eingesetzt. Sleeve kann nämlich auch Hülle, Muffe oder sogar Cover bedeuten. Auch auf mehrdeutige Benennungen in der Ausgangssprache, wie beispielsweise Bank, sollte dringend verzichtet werden. Ist das nicht möglich, muss die Wortbedeutung auf jeden Fall durch den Kontext klar werden.

Ein/e Technischer Redakteur*in sollte sich unbedingt an das Prinzip des Minimalismus halten. Das heisst aber nicht zwingend, dass alle Wörter einfach weggelassen werden können. Ein «der, die oder das» zu wenig kann zum Teil zu unschönen Missverständnissen führen oder sogar gefährliche Situationen herbeiführen. Denn man weiss nie genau, sprechen wir hier nun von der Mehrzahl oder nicht. Eine zu minimalistische Sprache wird schnell ungenau und unschön. Sie kennen bestimmt das Buschtelefon, wo man jemandem einen Satz ins Ohr flüstert und der dem nächsten und so weiter. Am Schluss kommt eine komplett andere Botschaft heraus. Einen solchen Effekt möchte man bei der Übersetzung dringend vermeiden und deshalb muss der Ausgangstext bereits so verständlich wie möglich geschrieben werden. Also bitte nicht einfach wichtige Wörter weglassen, nur weil sie so aussehen, als wären sie ein überflüssiges Füllwort.

Es sollte aber nicht nur darauf geachtet werden, wie geschrieben wird, sondern auch was geschrieben wird. Das kann zum Beispiel die Formulierung der Handlungsanweisung betreffen. Benutzt man im Englischen You oder nimmt man eine neutrale Form, welche keine Person beinhaltet macht das einen grossen Unterschied. Denn eine Person im Ausgangstext kann zu wesentlichen Übersetzungsproblemen führen. Für den/die Übersetzer*in bedeutet es einen zum Teil grossen Mehraufwand, herauszufinden, ob eine Firma ihre Kunden in den Technischen Dokumentationen duzt oder siezt. Vor allem dann, wenn es keine konsequente Umsetzung solcher Formalien gibt oder keine klaren Richtlinien.

Solche Kleinigkeiten und noch viele mehr sollten unbedingt beachtet werden, um eine ideale Voraussetzung für die Übersetzung zu schaffen. Somit sparen Sie nicht nur dem/der Übersetzer*in viel Zeit und Nerven, sondern auch sich selbst. Denn auch die Rückfragen zu Bedeutungen und Unverständlichkeiten minimieren sich durch einen klaren und verständlichen Ausgangstext. Der Technische Redakteur oder die Technische Redakteurin ist also massgeblich für die Qualität der Übersetzung verantwortlich und kann einiges bereits von Beginn an beeinflussen.

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