2018-05-13 : Rückblick "Die Formel für Industrie 4.0: Dokumentation = mobile Verfügbarkeit + Terminologie"

Wir freuen uns sehr, an dieser Stelle den Artikel unseres Mitglieds, Herrn Klaus Daube, zu unserem Feierabendgespräch vom 08.05.2018 in Zürich publizieren zu dürfen und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre. Gleichzeitig danken wir Herrn Daube für diesen Beitrag. Ebenso gilt unser besonderer Dank Herrn Dieter Gust für seinen sehr inspirierenden Vortrag.


Die Formel für Industrie 4.0: Dokumentation = mobile Verfügbarkeit + Terminologie

Wie immer legte Dieter Gust – diesmal auch zusätzlich in Vertretung von David Bodensohn – wert auf unterhaltsamen Vortrag nüchterner Tatsachen. Eine seiner Maximen "Schafft die Doku ab“ Kunden wollen antworten auf Fragen" führt immer wieder zu überraschenden Einsichten.

Auch wenn Industrie 4.0 (I4) wohl erst bei unseren Enkeln voll durchschlägt, sind wir heute schon dabei: Vernetzung auf der Basis von „Cyber-Physical-Systems“. Das bedeutet, dass I4 nur zustande kommt, wenn die reale Welt mit einem digitalen Modell vernetzt ist. 

Ein Video der Aufzugsfirma KONE zeigt auf, wie z.B. Sensoren in Aufzügen eine direkte Verbindung zum Service-Techniker aufbauen können, der dann sogar prophylaktisch eingreift. Ein weiteres Video von Thyssen Krupp zeigt diese Vernetzung noch deutlicher: der Service Techniker kann dank einer Datenbrille den Fehler leicht lokalisieren und sogar Rücksprache mit einem Spezialisten nehmen. Die Fehlerbehebung geschieht in wesentlich kürzerer Zeit als gewohnt.

Zum oft gehörten Einwand, dass Papierdokumentation gesetzlich gefordert ist, hat Dieter Gust ein Killer-Argument auf Lager. Es bleibt allenfalls ein kleiner Rest hartnäckiger Verfechter in der Pharma-Branche.

Ein Baustein von I4 ist Natural-Language-Processing, nicht nur für den Ersatz von Tastatur und Maus. Es zeigte sich, dass Menschen nicht Sätze festhalten, sondern Propositionen, die sich wesentlich einfacher in Sprachassistenten nutzen lassen. Zudem werden ja schon heute Sätze aus Daten gebildet (Firmenberichte, Sportresultate…).

Und was bleibt uns TDs? Zuerst eine Terminologie mit Concept-Map (Beziehungen zischen Termen) erstellen, Propositionen bilden mit „intents“ und „entities“. Medien bestimmen: Text und Bilder sind nur noch eine Option von vielen. Die Zukunft der Technischen Kommunikation ist eine Such-Interface für AAQ = Any Asked Question. Damit wird klar, dass die Zeit der Kapiteleinteilung von Text vorbei ist. Nebst Topics brauchen wir auch Micro-Kontext.

Dieter Gust erläutert dieses Vorgehen anhand der Aufgabe „Kalenderwochen Erstellen in Outlook“. Neben der Problemlogik (Fehlbedienung, Reparatur) und der Lernlogik  (Formalstufen der Didaktik)  sind die Anwendungslogik (Aufgaben), die Produktlogik (Funktionen, Komponenten) und vor allem die Benutzerlogik (Chronologie der Bedienschritte) die Modelle des Verstehens. MS versagt hier kläglich, das Benutzer-Interface gemäss der Benutzerlogik zu gestalten.

Dies nicht zuletzt wegen Nichtbeachtung des Semiotischen Dreieckes (Begriff – mentale Repräsentation –, Benennung, Objekt), dem noch die Definition hinzugefügt werden muss. In der Terminologiearbeit dürfen daher Synonyme nicht vergessen gehen, sie sind besonders bei Übersetzungen wichtig. Es ist daher notwendig, sich mit neuen Werkzeugen anzufreunden: Autorenunterstützung, Concept-Map-Tools etc. Tools ohne Kommentarfunktionen sind von geringem Wert, da ewige Diskussionen vorauszusehen sind.

Dieter Gust schliesst mit einem "düsteren" Szenario ab: "Bis das Thema I4 die Dokumentation erreicht, bin ich in Rente."


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Text: Klaus Daube
Fotos: Azadeh Eshaghi ©






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Vortrag von Herrn Dieter Gust
Die Formel für Industrie 4.0: Dokumentation = mobile Verfügbarkeit + Terminologie"

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